Mobbing-Falle Internet

von Karolina Zyrka, PR-Praktikantin und Walter Fiedler PR-Berater/Texter ECCO Düsseldorf/EC Public Relations GmbH (GPRA)

Cyber-Mobbing
Mit 20 Prozent ist Mobbing eine der Hauptursachen für Selbstmorde bei Teenagern. Besonders stark nimmt dieses Phänomen derzeit im Internet zu – Stichwort Cyber-Mobbing.

Das bekannteste Beispiel ist der 13-jährige Joel aus Österreich. Schon in der Schule wurde der Teenager wegen seines Aussehens und seiner Kleidung von Mitschülern gehänselt. Als er sich jedoch auf Facebook extremen Attacken ausgesetzt sah, wurde es für ihn zu viel. Er rannte aus dem Haus und warf sich vor den nächsten Zug.

Das Internet ist für deratige Mobbing-Attacken die optimale Plattform. Das hat verschiedene Gründe:

  1. Anonymität: Die Täter können sich jederzeit hinter einer falschen Identität verstecken. Da es einfach ist, Accounts bei Facebook und Co. anzulegen, kommt es vor, dass eine Person unter verschiedenen „Identitäten“ aktiv werden kann.
  2. Schneeballeffekt: Innerhalb kürzester Zeit erreichen Mobbing-Attacken tausende von Benutzern. Wer Facebook-Einträge „öffentlich“ postet kann schnell ein Lauffeuer auslösen. Dadurch ist Cyber-Mobbing erheblich gefährlicher als persönliche Attacken auf dem Schulhof. Besonders gefährlich ist das bei Teenagern, die teilweise mehrere hundert „Freunde“ haben, ohne diese persönlich zu kennen.
  3. Das Internet vergisst nicht: Bilder und Videos, die einmal im Internet zu sehen waren, entziehen sich binnen kürzester Zeit der Kontrolle des Betroffenen. Selbst wer die Löschung von einem Portal durchsetzt, muss darauf gefasst sein, sich kurz darauf an anderer Stelle wiederzufinden.
  4. Rechtliche Situation: Der Server, von dem die Mobbing-Attacken gegen Joel ausgingen, stand in den USA. Daher ist es so gut wie unmöglich, aus anderen Ländern rechtliche Schritte gegen Betreiber einzuleiten. Dieses Problem existiert seit Bestehen des Internets. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

Aus diesen Gründen ist es schwer, effektiv gegen Cyber-Mobbing vorzugehen. Dennoch gibt es Maßnahmen, die Mobbern das Leben schwerer machen.
  1. Vorsicht mit persönlichen Daten: Facebook und andere Netze laden dazu ein, Dinge wie sexuelle, politische oder religiöse Orientierung zu veröffentlichen. Diese Themen laden zu kontroversen Diskussionen ein. Daher sollte diese Informationen nur öffentlich machen, wer bereit ist, sich dieser Diskussion auch zu stellen.
  2. Vorsicht mit Bildern und Videos: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Oft auch mehr, als der Dargestellte selbst glaubt. Weibliche Teenager neigen zum Beispiel dazu, sich selbst in Internet-Portalen „sexy“ zu präsentieren. Jungs dagegen geben gerne mit ihren Streichen und Alkoholexzessen an. Beides öffnet Mobbern Tür und Tor. Also: Finger weg!
  3. Offensiv Vorgehen: Mobbing ist in vielen Fällen ein Straftatbestand! Wer öffentliche Demütigungen herunterschluckt und für sich behält erleidet nicht selten erheblichen psychischen Schaden. Daher sollten Opfer das Mobbing immer bei der Polizei melden.
  4. Hilfe durch Selbsthilfe: Das Internet bietet auch die Möglichkeit, sich mit anderen Mobbing-Opfern auszutauschen. Selbsthilfeforen und Blogs wie http://dieaktuelleantimobbingrundschau.wordpress.com/ bieten Betroffenen Hilfe an.

Man kann nicht beeinflussen, was andere über einen reden. Man muss sich aber auch nicht selbst zur Zielscheibe von Lästermäulern machen.
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