ADAC: Krisenkommunikation aus dem Lehrbuch

Wenn die Meute Blut geleckt hat, helfen nur noch drastische Maßnahmen


von Lutz Cleffmann, Geschäftsführer ECCO Düsseldorf/EC Public Relations GmbH

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein neuer „Skandal” rund um den ADAC aufgedeckt wird. Da finden investigative Journalisten in hartnäckiger Recherche heraus, dass ein Rettungshubschrauber gegen Kostenerstattung vor einem Zweitligaspiel den Rasen getrocknet hat. Was hätte ein Unternehmen wohl gezahlt, wenn es sein Logo an so prominenter Stelle hätte präsentieren dürfen? Diese Frage haben die investigativen Journalisten vorsichtshalber nicht gestellt.

Eine Mitarbeiterin hat ihren Sohn in einem ohnehin nach Ägypten fliegenden Ambulanzjet mitfliegen lassen. Dafür wurde sie gefeuert. Ich habe immer noch nicht begriffen, was daran skandalös ist. Sie hat gegen Regeln verstoßen und wurde dafür zur Rechenschaft gezogen. Auch andere Vorwürfe entpuppen sich bisher bei näherem Hinsehen als Petitessen, die in normalen Zeiten keine Zeitungszeile wert wären.

Jetzt haben aber die gesammelten „Qualitätsmedien” Witterung aufgenommen. Da es auch beim ADAC wie in jedem Unternehmen dieser Größenordnung, unzufriedene Mitarbeiter gibt, wird ihnen der Stoff so schnell nicht ausgehen. Dass auch schon die Staatsanwaltschaft eine Chance sieht, öffentlichkeitswirksam zu ermitteln, versteht sich von selbst. So weit, so normal.

Untypisch ist jedoch die Reaktion des ADAC. Statt wie weiland Christian Wulff mit juristischen Mitteln zu reagieren und damit erst recht den Zorn der Medien auf sich zu ziehen, geht der Club in die kommunikative Offensive: „Das Präsidium wird schon in den nächsten Tagen den Gremien des ADAC einen systematischen und umfassenden Reformprozess vorschlagen. Nach Abschluss dieses Prozesses wird der ADAC in einer außerordentlichen Hauptversammlung die Neuausrichtung zum Beschluss vorlegen. Die letzte außerordentliche Hauptversammlung hatte der ADAC 1948 einberufen.”

Das ist Krisenkommunikation aus dem Lehrbuch. Das ADAC-Präsidium nimmt die alte PR-Weisheit „Meinungen sind Tatsachen” tatsächlich ernst. Es geht eben nicht darum, mit Fakten Vorwürfen zu begegnen, sondern das angeschlagene Image wirkungsvoll zu reparieren. Ich wage einmal die Prognose, dass es dem ADAC gelingen wird, nach kurzer Zeit wieder in ein ruhiges Fahrwasser zu kommen. Schneller jedenfalls als Christian Wulff, bei dem sich erst eine Staatsanwaltschaft gründlich blamieren musste, um das Image wieder aufzubessern.
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