GPRA-Vertrauensindex: Ist BILD nur noch das Leitmedium für Unterschicht und Ossis?

Boulevardblatt ist und bleibt ein Machtfaktor


von Lutz Cleffmann, Geschäftsführer ECCO Düsseldorf/EC Public Relations GmbH (GPRA)

Zum ersten Mal hat unser Agenturverband GPRA in seinem regelmäßigen Vertrauensindex das Vertrauen der Bundesbürger in die Medien abgefragt. Mit einem klaren Ergebnis: Nur rund 30 Prozent der Befragten vertrauen der BILD. Damit liegt die Boulevardzeitung deutlich am Ende der Skala – nur das Klatschblatt BUNTE ist mit 24 Prozent noch schlechter platziert.

Um dem dem Klischee vollends zu entsprechen, haben dann auch noch zwei Gruppen wesentlich größeres Vertrauen in das Boulevardblatt als alle anderen: Unterschichtler und Ossis. „Das Vertrauen in die BILD-Zeitung ist im Cluster der Volks- und Hauptschüler ohne Lehre am größten (48%), bei Abiturienten und Akademikern am niedrigsten (19%). Zudem genießt die BILD in den Neuen Bundesländern ein deutlich größeres Vertrauen als im „Westen“ (41 zu 28%) während sämtliche anderen abgefragten Medientitel in den Alten Bundesländern einen höheren Vertrauenswert erzielen,” stellt die GPRA in ihrer Pressemitteilung fest.

Ist BILD also nur das Leitmedium von Unterschicht und Ossis? Kann seriöse Unternehmenskommunikation dieses Blatt beruhigt ignorieren? Mitnichten, wie zuletzt die Causa Wulff bewiesen hat. Geradezu klassisch hat hier eine Geschichte, die in BILD ihren Ausgang nahm, die höheren Glaubwürdigkeits-Weihen dann durch die Medien bekommen, die im GPRA-Vertrauensindex ganz vorne liegen: Regionalzeitungen, FAZ, Spiegel und Süddeutsche.

Diesen Wirkmechanismus sollte jeder im Auge behalten, der sich gerne mal geringschätzig über die auflagenstärkste deutsche Tageszeitung äußert. BILD ist und bleibt ein Machtfaktor und Gerhard Schröders Spruch, er brauche zum Regieren nur BILD, BamS und Glotze, ist längst noch nicht von gestern.

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